Abrechnung mit der neuen DJ-Elite: "Eine Akkord-Hysterie, die das Trommelfell beleidigt"

Was DJs heute leisten, ist das noch Arbeit oder schon Abzocke?

Abrechnung mit der neuen DJ-Elite: "Eine Akkord-Hysterie, die das Trommelfell beleidigt": Was DJs heute leisten, ist das noch Arbeit oder schon Abzocke?
Quelle: Future Music Festival 2011 von Eva Rinaldi, Flickr.com. Lizenz: CC BY SA 2.0 und EDM / dance / festival von Patrick Savalle, Flickr.com. Lizenz: CC BY SA 2.0
Reeperbahn Nummer 1. Mojo Club. Mandarin Kasino. Legendäre Adresse. Nicht nur für Hamburg. Auch für uns. Dafür muss ich etwas ausholen: Im Sommer 2004 hatten wir unsere eigene Residency auf Ibiza. An jedem verdammten Sonntag legten „The Disco Boys from Hamburg“ im El Divino auf, direkt im Hafen von Ibiza Stadt. Für die Zeit danach hatten wir uns etwas Besonderes überlegt: Das Mandarin Kasino sollte unsere neue Spielstätte Zuhause werden. Bis dahin hatten wir monatlich in den unterschiedlichsten Locations (Absolut, Rubin, Madhouse, Cult, Phonodrome, Betty Ford Klinik…) unsere Veranstaltung „Disco Fever“ durchgezogen, auf der wir selbst aufgelegt haben und Original Endsiebziger Disco Vinyl mit aktuellen House Scheiben gemischt. Ein Sound, der mit jedem Ton einen unwiderstehlichen Sog auf die Tanzfläche erzeugt.

Wir wurden gehört und durften in Peking und Shanghai auflegen, in Moskau und London, in Bangkok und Seoul, in Warschau und Göteborg, in Miami und Lissabon, auf Mallorca und Zypern. Zuvor hatten wir uns Deutschland von Sylt bis Kempten nach und nach erspielt. Bis heute halten wir in vielen Clubs, sofern sie noch da sind, den Besucherrekord.

Nur in Hamburg war der Knoten nicht geplatzt. Unser Version von „For You“ sollte erst noch erscheinen (- und das nur, weil Kontor Records Chef Jens Thele uns im El Divino einen Besuch abstattete, dort den Bootleg davon hörte und erlebte, wie der Club dabei erbebte). Wir hatten ordentlich Muffensausen vor dem ersten Abend im Mandarin Kasino. Das Sprichwort „Der Prophet gilt im eigenen Lande nichts.“ schien auf uns zuzutreffen: Unsere Hamburger Parties waren beileibe kein Selbstgänger. Wir hatten wegen des turbulenten Sommers keine Möglichkeit, selbst die Werbetrommel zu rühren. Facebook und E-Mail Einladungen waren noch nicht erfunden.

Sonst trafen wir uns regelmäßig bei Raphael Zuhause in der Küche, stopften selbstgestaltete Flyer in Briefumschläge, brachten diese am nächsten Tag in gelben Postkisten zur Hauptpost, schön als Infopost nach Postleitzahlen sortiert. Wir verteilten die Flyer, wo wir auch waren. Wir kleisterten sogar des Nachts Plakate, allerdings nur einmal. Aber trotz dieses immensen Aufwands waren unsere Hamburger Parties nicht automatisch gut besucht. Darum legten wir Kontrollfreaks notgedrungen diese wichtige Aufgabe vertrauensvoll in die Hände des Mojo-Teams, das fürs Mandarin Kasino verantwortlich war.



Mit Herzklopfen erschienen wir an unserem Heimkehrer-Abend. Es war gänzlich ungewiss, was passieren würde. Es gab keine Vorzugsliste, die eine Prognose für den Erfolg oder Misserfolg des Andrangs erlaubt hätte. Würde es funktionieren? Am Ende wurde unsere erste Nacht im Mandarin ein voller Erfolg. Zum Glück! Denn als DJ bist Du nur lange gern gesehener Gast, wie Du für genügend Andrang sorgst. Weil es so schön war, folgten viele, viele bunte und heiße Nächte. Manche sprechen noch heute davon. Wie sich schon um 20 Uhr 30 eine Schlange bildete vor der Tür, die einmal bis zur Esso Tankstelle gereicht haben soll. Wie die Mojos im Winter Glühwein an die Wartenden ausschenkte und mit „The Disco Boys“ und „Mandarin Kasino“ bedruckte Regenschirme verteilte, als es nieselte. Wie die Garderobe jedes Mal heillos überfüllt war. Wie die Getränke im Kühlschrank auf der Bühne schon nach einer halben Stunde komplett ausgetrunken waren. Wie die Leute abgingen und der Schweiß von der Decke und aus jeder Pore tropfte. Es war wunderschön. Mojo-Chef Oliver Korthals (mittlerweile leider ins Rheinland ausgewandert) meinte: „Eure Fans sind so geil. Die kommen rein und fangen direkt an zu tanzen.“ So ist’s recht. An dieser Stelle möchte ich Euch allen dafür Danke sagen.

Von Anfang an war klar, dass der Betonklotz - und mit ihm das Mandarin Kasino - abgerissen werden würde. Dass es wie alles auf der Welt nicht für die Ewigkeit war, sondern eines Tages der Bagger und die Abrissbirne anrücken würden. Dieser Plan machte es dem Mojo Club unmöglich, weiter ein Programm zu bieten, da der Mietvertrag nur noch monatlich verlängert wurde. Gut für uns, nur darum konnten wir hier Parties feiern. Aber die Tragödie nahm ihren Lauf. Ich weiß noch, wie ich nach der definitiv letzten Nacht im Mandarin in der Morgendämmerung übers Heiligengeistfeld nach Hause schlurfte. Den Plattenkoffer hinter mir herziehend und eine Träne verdrückend, dass diese Ära nun zu Ende war. Als ich ein paar Wochen später an der Stelle vorbeiging, wo nun die tanzenden Türme als neues Wahrzeichen thronen, stand tatsächlich ein Bagger auf der ehemaligen Tanzfläche. Traurig, aber es muss immer weitergehen. Musik als Träger für Ideen. Wir verzogen uns ins Uebel & Gefährlich für die nächsten Jahre, wo der Wahnsinn weiterging.



Nun sind wir wieder zurück an der Reeperbahn Nummer 1. Längst hat der Mojo Club seine Schleusenklappen hier geöffnet. Dort knüpfen wir am Samstag an die für uns legendäre Mandarin Epoche an. Gespielt wird ausschließlich Vinyl - und dieses Medium bedeutet, dass es musikalisch ein „All Night Long - Best Of - The Disco Boys“-DJ-Set geben wird. Wie immer spontan und handgemischt, sozusagen live, mit vielen Floorfillern von damals, ein Exkurs zurück zu den Wurzeln von Disco und House, der besten Tanzmusik, die je erfunden wurde.

Hier können sich die Älteren nostalgierig wie früher komplett austoben - und die Jüngeren können genauso Spaß haben und ganz nebenbei etwas über die Clubkultur der Vor-Shazam-Zeit erfahren - sofern es deren ADHS zulässt. Für mich ist die Schallplatte das Geheimnis einer guten Party. Sie klingt fetter und voller als digitale Dateien. Die Tunes und Tracks waren meistens sechs Minuten lang - wodurch die Zeit gestreckt, die Uhrzeit vergessen und die Beine später müde wurden. Die heutigen, oftmals nur 2- bis 3-minütigen Neu-Aufgüsse - gerne präsentiert im 30-Sekunden-Wechsel-Dich-Hit-Mix - sind nur noch musikalische Reizüberflutung. Eine Akkord-Hysterie, die das Trommelfell beleidigt. Tanzen kann man dazu eh nicht. Nur den Flummi machen. Ich hab’ heute gehört, dass die neuen sogenannten „Superstar-DJs“ nicht 120, nicht 90, sondern bald nur noch 70 Minuten auf der Bühne stehen werden. Die haben anscheinend alles richtig gemacht: Wer mehr kassiert, darf sich kürzer zeigen. Arbeitsethos ad absurdum. Aber ist das überhaupt noch Arbeit oder schon Abzocke? Egal.

Wir sind am Samstag (!) die ganze Nacht für Euch am Start. Besonders gespannt sind wir, ob der Wochentag Auswirkungen auf die Länge und Laune der Party hat. Zum ersten Mal gastieren wir, also „The Disco Boys“ an einem Samstag in einem Club in unserer Heimatstadt. Endlich können wir rufen: „Willkommen, Einzelhändler! Die Ausrede „Samstag früh raus“ gilt nicht mehr.“

Schlaft euch aus. Bucht den Babysitter. Und sagt nicht: Wir hätten euch nicht gewarnt!

Bis Samstag Nacht!

Gordon (ganz der Alte, nur älter)

---------------------------------------------------------------
THE DISCO BOYS ORIGINALS | MOJO CLUB
REEPERBAHN 1 | 20359 HAMBURG ST. PAULI
SAMSTAG, 04.02.2017 | 23 UHR
---------------------------------------------------------------
strictly vinyl (and that’s the one and only rule for this night!)
im Mojo: The Disco Boys (Raphael & Gordon) all night long - back to the roots of disco house
im Restroom Floor: Derrick White & Friends all night long - nu disco, 80s, only great music
---------------------------------------------------------------
NEU: Feier Dich selbst! Hier kannst Du Dich selbst auf die Vorzugsliste setzen: http://eepurl.com/bw2qCr
Wir empfehlen Dir, das zu tun. Wer auf dieser Liste steht, spart sich das Anstehen (zwischenzeitliche Schlangenbildung nicht ausgeschlossen). Den Eintritt können wir Dir leider nicht ersparen. Den Link darfst Du gerne an Freunde und Gleichgesinnte weitergeben. Über eine Nachricht, dass Du dieses wortreiche Pamphlet erhalten hast und - noch besser - kommen möchtest, würde ich mich natürlich wie immer sehr freuen.
---------------------------------------------------------------
Die Party bei Facebook: https://www.facebook.com/events/1785415908376313/
---------------------------------------------------------------
The Disco Boys bei Facebook: https://www.facebook.com/TheDiscoBoys/
---------------------------------------------------------------
Zum Einstimmen brauchst Du für die perfekte Party-Nacht, ganz frisch aus dem Presswerk „THE DISCO BOYS - VOLUME 16“. Drei CDs, 60 Tracks. Hol’ Dir die Ex-#1 aus den iTunes-Charts. Bitteschön: Digital bei iTunes ? bit.ly/TDB_Vol16_iT  - oder bei Amazon die 3-CD Box ? bit.ly/TDB_Vol16_AZ
---------------------------------------------------------------
Noch immer nostalgierig? Wusstest Du denn schon , dass Raphael und ich (bevor aus uns „The Disco Boys“ wurden) im Tunnel die ersten Parties gemacht haben? Mittwochs. Jedes Mal ein anderes Motto, einmal zum Beispiel „Always Ultra Party. Sich mit Raphael und Gordon einen hinter die Binde kippen.“ - Den Tunnel gibt es weiterhin. Mittlerweile am Beatler-Platz 1, direkt am anderen Ende der Reeperbahn. Dort legen Master & Servant (aka Jay Frog und ich) diesen Freitag auf, sozusagen die „Pre-Party“ zur Mojo-Nacht. Kommt gern längs! 

Foto: Future Music Festival 2011 von Eva Rinaldi, Flickr.com. Lizenz: CC BY SA 2.0 und EDM / dance / festival von Patrick Savalle, Flickr.com. Lizenz: CC BY SA 2.0

Bleib immer up to date und erhalte die neuesten Nachrichten von virtualnights auch auf Facebook.
KLICKE AUF
und lies den Artikel weiter.

Für dich neu alle Nachrichten

Login

Jetzt bei virtualnights anmelden:

Passwort vergessen?