„Ich hasse Weihnachten, weil ich so einsam bin"

Wie es ist, wenn man Heiligabend alleine verbringen muss.

„Ich hasse Weihnachten, weil ich so einsam bin": Wie es ist, wenn man Heiligabend alleine verbringen muss.
Quelle: finwal89/Shutterstock.com

Weihnachten ist für die meisten die schönste Zeit des Jahres. Für Sarah* sind die Feiertage der blanke Horror. Statt mit ihrer Familie bei Kerzenschein unter dem Weihnachtsbaum zu sitzen, würde die 23-Jährige Heiligabend am liebsten komplett ausblenden. Seit Jahren verbringt Sarah die Feiertage alleine. 

„Ich habe zwar eine Familie, aber den Kontakt zu meinen Eltern habe ich kurz nach dem Schulabschluss komplett abgebrochen“, erklärt die gelernte Kosmetikerin. Über die Gründe will sie nicht sprechen. Geschwister oder Großeltern hat Sarah keine. Und zu dem Rest der Familie hatte sie nie engen Kontakt. „Warum sollte ich das jetzt ändern?“

Sobald die komplette Stadt im November in weihnachtlicher Vorfreude erstrahlt, würde Sarah am liebsten nur noch abhauen. Den Weihnachtsmarkt erträgt sie nur mit genug Glühwein. Früher mochte die 23-Jährige Weihnachten. Früher hatte sie auch noch eine Familie. Aus ihrer Kindheit habe sie auch gute Erinnerungen an die Feiertage, erzählt Sarah mit leiser Stimme. Doch der Familienkonflikt überschattet auch die schönen Bilder in ihrem Kopf. 

Dass die Bremerin seit drei Jahren Single ist, macht die Sache nicht leichter. „In einer Beziehung wäre das Ganze sicher leichter. Aber so richtig gefunkt hat es leider bei mir schon lange nicht mehr.“ Deshalb schaltet sie auch ab, wenn ihre Kolleginnen oder Freundinnen von ihren Feiertagsplänen mit dem Partner und der Familie erzählen. „Ich frage mich dann immer, was mit mir nicht stimmt. Warum bin ich alleine?“

Ihre Zwei-Zimmer-Wohnung hat Sarah zur weihnachtsfreien Zone erklärt. Keine Lichterkette, keine Adventskalender, keine Plätzchen. Auch Weihnachtsfilme meidet sie. In der Adventszeit kann Sarah sich gut bei Treffen mit Freundinnen ablenken, arbeitet viel oder geht zum Sport. Ihren Tiefpunkt erreicht sie an Heiligabend.

„Da versuche ich das Haus erst gar nicht zu verlassen.“ Sarah schläft lange, sucht sich auf Netflix ein paar Filme raus, weil sie das Weihnachtsprogramm im Fernsehen nicht ertragen kann. „Meistens gammel ich den ganzen Tag auf der Couch rum. Irgendwann koche ich was und dann mache ich mich fürs Ausgehen fertig.“ Traditionell trifft sich Sarah mit ihren Freunden zum Feiern. Die meisten wissen aber gar nicht, dass während sie Bescherung machen, ihre Freundin alleine Zuhause sitzt.

„Die meisten denken, ich feier bei einer Tante. Wenn ich denen die Wahrheit erzähle, würden sie mich sicher zu ihren Familien einladen. Aber das wäre nur aus Mitleid und darauf habe ich echt keinen Bock.“ Also tut Sarah so, als hätte sie einen fröhlichen Abend verbracht und trinkt ihre Traurigkeit weg.

Auch in diesem Jahr steht Sarah eine einsame Weihnacht bevor. Doch es könnte sich etwas ändern. „Ich habe in einem Forum ein Mädel aus der Nähe kennengelernt, der geht es wie mir. Wir haben beschlossen Heiligabend dieses Jahr gemeinsam zu verbringen.“  

*Name von der Redaktion geändert

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