Videogames und Poker: So ähnlich sind sich Strategien und Tiefgang inzwischen!

Sind moderne Games mit Poker vergleichbar?

Videogames und Poker: So ähnlich sind sich Strategien und Tiefgang inzwischen!: Sind moderne Games mit Poker vergleichbar?
Quelle: "Lyon eSport 9 - Team Indy Spensable (side)" by Francais / Xavier Caré (CC-BY-SA)

Poker ist eines der komplexesten und strategisch tiefgründigsten Spiele der Welt. Über 20 Millionen Poker-Fans spielen weltweit um Geld. Aber inzwischen spielen auch Millionen Menschen „ernsthaft“ Videogames: der eSport boomt, bei Turnieren können Gamer reich werden. Da stellt sich die Frage: Sind Videospiele inzwischen, was Tiefgang und Taktik angeht, mit Poker vergleichbar oder nehmen die Entwickler dahinter sich einfach zu ernst und schmücken ihre Games mit Lorbeeren, die sie eigentlich gar nicht verdient haben? Zeit, sich das Ganze einmal anzuschauen und zu entscheiden, ob Gaming inzwischen mit dem wohl bekanntesten Strategiespiel der Welt mithalten kann!

Der Aufstieg des Karriere-Gamers

Gaming war lange Zeit nur ein Hobby. Zuerst hauptsächlich von Kindern, dann auch von Teenagern und Erwachsenen. Klar, viele Spieler zockten Zuhause gegen ihre Freunde. Aber Gaming als Sportart gibt es erst seit ungefähr einem Jahrzehnt. Und erst jetzt dringt der eSport in den Mainstream vor: 2017 konnten nur 29 Prozent aller Deutschen etwas mit dem Begriff „eSport“ anfangen, ein Jahr später sind es bereits 48 Prozent! Events wie The International (Dota 2) und andere eSport Großveranstaltungen locken inzwischen zehntausende Menschen an, der Preispool beim erwähnten Turnier liegt bei über 25 Millionen Dollar! Dadurch entstehen ganz neue Märkte: eSport Coaches zum Beispiel trainieren die Pro-Gamer und sorgen dafür, dass sie mental und körperlich Spitzenleistungen abrufen können – und das oft 16 Stunden am Tag!

Aber gibt es hier Parallelen zum Poker? Erstaunlicherweise lautet die Antwort ja! Poker ist eine der bekanntesten Sportarten weltweit, allein beim Main Event der World Series of Poker in diesem Jahr konnte der Gewinner John Cynn ungefähr 8,8 Millionen Dollar kassieren – da kommen auch die größten eSport Games nicht ran. Und die World Series gibt es schon viel länger als Dota oder Fortnite, nämlich schon seit 1970. Die Online-Szene ist beim Poker außerdem sehr gut ausgeprägt. Und es gibt noch mehr überraschende Parallelen zwischen modernen Games und Poker.

"Nicht nur beim Poker, auch bei Spielen wie Fortnite spielen Strategie und Glück eine Rolle." ('Fortnite receives PUBG inspired Battle Royal Mode' - BagoGames via Flickr (CC BY 2.0) ) 

Strategie gegen Glück

Zum Beispiel der Mix aus Strategie und Tiefgang. Poker als Spiel besteht aus einem Mix aus Taktik und Glück, wobei aber vor allem die richtige Strategie spielentscheidend ist. Das sieht man schon allein beim Blick auf die Zahlen: Bei fünf aus 52 Karten gibt es insgesamt 2.598.960 mögliche Kartenkombinationen, die man auf der Hand haben kann! Und die Wahrscheinlichkeit auf ein Straight oder Royal Flush (die beste Hand) liegt nur bei 0,00154 Prozent. Also ist Taktik gefragt und die ist beim Poker entscheidend. Zwar ist es theoretisch möglich, dass man ein einzelnes Spiel nur aufgrund von Glück gewinnt. Doch das Glück gleicht sich über mehrere Spiele hinweg aus. Damit gewinnt mittelfristig eigentlich immer der bessere Spieler. Und genau deswegen gibt es beinahe unendlich viele Ressourcen im Internet, bei denen man sich Poker Strategie Tipps abholen kann: Sei es zu den Grundlagen, wie man Profi wird oder der Frage, ob man lieber defensiv oder aggressiv spielen sollte. Maßgeschneiderte taktische Information gibt es, egal zu welcher Variante, ob Seven Card Stud oder klassischem Texas Hold’em. Denn die menschliche Komponente ist beim Poker nie zu vernachlässigen.

Und wie schlagen sich die Games in dieser Hinsicht? Auch hier gibt es natürlich viel Taktik und Strategie. In Spielen wie Fortnite, Hearthstone aber auch Mario Kart gibt es ebenfalls so genannte „RNG“ Elemente. RNG steht für „Random Number Generator“, also die Generierung von Zufallszahlen. Und der Zufall kann bei Games schnell Strategien zerstören oder dafür sorgen, dass die Spieler sich beschweren – weil man ja eigentlich gewonnen hätte, aber einem einfach das Pech an den Füßen geklebt ist. Bei Fortnite zum Beispiel wird das Zielen der Waffe durch eine mit RNG berechnete Streuung erschwert. Man weiß nie genau, wo man hinzielt. Bestimmt auch deswegen schicken Eltern ihre Kinder inzwischen zur Fortnite Nachhilfe. Auch bei Games wie League of Legends werden RNG-Elemente regelmäßig kontrovers diskutiert. Aber auch hier gilt, dass sich der beste Spieler letztendlich durchsetzt. Eine Sportart komplett ohne Zufallselement gibt es, mal abgesehen von Schach, ganz einfach nicht. Allerdings sind die Strategie-Möglichkeiten bei den meisten Videospielen nicht so ausgeprägt wie beim Poker. Zwar gibt es für Battle Royal Games und andere Genres beinahe unbegrenzte Möglichkeiten, wie die Spieler sich bewegen können. Doch die menschliche Komponente fehlt; man kann den Gegner nicht lesen, weil man ihm nicht gegenüber sitzt und sein Gesicht nicht erkennen kann. Dies hat der Poker den Games noch immer voraus. Und können die RNG Elemente von den Spielern umgangen werden? Die Antwort lautet nein. Doch genau wie beim Pokern gibt es Strategien, um damit besser umzugehen!

"Ressourcen-Management und Taktik sind beim Poker wichtiger als die glückliche gute Hand." (Quelle: Pixabay) 

Vom Poker lernen

Und der Poker bietet einiges, was die Spieler sich taktisch abschauen können. So muss man die Position beachten (also die Reihenfolge, in der gespielt wird) und seine Taktik daran anpassen, was bei rundenbasierten Games ebenfalls der Fall ist. Poker bringt den Umgang mit Ressourcen bei, weil man nicht zu hoch setzen, aber auch nicht zu konservativ spielen darf. Genau so ist es bei taktischen Echtzeit-Spielen auch, wo man virtuelle Zeit oder Geld managen muss. Und besonders ein Gefühl für Wahrscheinlichkeiten kann der Poker den Gamern beibringen: So lernt man, kontrollierte Risiken einzugehen und auch mal taktisch die Schlacht zu verlieren, um den Krieg zu gewinnen. Ganz wichtig ist auch der „Tilt“. Tilt bedeutet im Poker, dass ein Spieler aufgrund von Wut oder Verzweiflung schlechter spielt, als er es eigentlich könnte. Den Tilt muss man also kontrollieren und genau das ist auch bei Games mit RNG der Fall. Mario Kart Spieler können ein Lied davon singen, wie sie zufällig in der letzten Runde von einem Item getroffen wurden und dann vor Wut die Beherrschung verloren – und so den Sieg verschenkten. 

Fazit

Sind moderne Games also mit Poker vergleichbar? Tatsächlich lautet die Antwort: Zu großen Teilen ja! Der Zufall beim Poker und die RNG-Elemente in Spielen sind das beste Beispiel dafür. Aber auch wenn man sich die Turnierszene ansieht und die World Series mit großen eSport Veranstaltungen vergleicht, sieht man Parallelen. Beide Sportarten haben sich professionalisiert und erfordern immer härteres Training von den besten Spielern. Und zuletzt können sich Gamer auch beim Thema Taktik viel vom Poker abschauen, denn auch hier sind die Gemeinsamkeiten groß. Es ist also wirklich so, Poker und Gaming haben einiges gemeinsam! Ganz an die taktischen Finessen des Kartenspiels reichen die Games aber noch nicht heran.

Foto: "Lyon eSport 9 - Team Indy Spensable (side)" by Francais / Xavier Caré (CC-BY-SA)

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