Balbina

  • Wo? STROM, Lindwurmstr. 88, 80337 München
  • Wann?
BALBINA – Nachholtermin

»Warum lassen Maiglöckchen den Kopf hängen? Warum bin ich nur immer so müde, was hält mich an – was hält mich am Leben und warum?« Die Liedermacherin BALBINA stellt sich auch auf ihrem zweiten Album „Fragen über Fragen“ (Four Music/Sony) und nimmt uns mit auf eine Forschungsreise nach Antworten. Sie tastet sich pragmatisch an Rätsel heran, die ihr alltäglich begegnen. Sucht nach »Wortgruppen in der Buchstabensuppe« oder nach dem Glück, gemeinsam mit einem »Suchtrupp im Moor«. Und dabei schwebt sie, einer Kunstperformance gleich, im schweren, asiatisch anmutenden Kleid puppenartig und marionettenhaft über eine Bühne, die sie sich zu eigen macht wie ein weiteres, spannendes Versuchsfeld in ihren detaillierten Beobachtungen.

Mit ihrem ersten Album „Über das Grübeln“ wurde die Berlinerin zum Feuilleton-Liebling, für Jens Balzer (Berliner Zeitung/Rolling Stone) zur „tollsten Entdeckung seit langer Zeit im deutschen Pop“ und für Herbert Grönemeyer zum Support auf seiner Tour 2015. Und auch im ausverkauften Sendesaal des rbb, wo BALBINA im Januar 2017 noch vor der tatsächlichen Veröffentlichung ihr neues Album vorstellte, endete das Konzert mit langen standing ovations. Und das lag nicht nur an der außergewöhnlichen Begleitung durch das Babelsberger Filmorchester, sie bewies vor allem ein weiteres Mal, dass Deutschpop auch ganz anders gehen kann: poetisch klug und doch einfühlsam, außergewöhnlich elegant und doch leichtfüßig, (un)angenehm kantig und doch eingängig.

Den feinen Minimalismus hat sie beibehalten, dieses Mal allerdings in einen breiteren Sound gebettet: leichter Pop und orchestrale Klassik, klare Synthiesounds und exakter Rhythmus. Die neuen Songs hat BALBINA komplett mit dem Sofia Symphonic Orchestra eingespielt und aufgenommen. Dass die in Warschau geborene Künstlerin ihre ersten musikalischen Gehversuche in der Berliner Hip Hop- und Elektroszene machte (u.a. mit Die Atzen und Prinz Pi), mag da einerseits überraschen und liegt andererseits doch ganz nah. Ebenso die Grönemeyer-Tourbegleitung: ungewöhnlich, aber doch irgendwie passend. Was zeigt: Leicht einzuordnen ist BALBINA nicht, und das macht sie umso spannender.

Komplexe Mysterien verpackt sie klangvoll in simple Situationen, mal in rapartigem Sprechgesang, mal prinzessinnenhaft gehaucht oder wütend herausgedonnert, die wiederum teils seltsam nachklingen, teils heilsam bekannt wirken. Und immer sind sie gut verpackt in Wortwellen, und -bilder, Alltagsmetaphern und philosophische Spielereien. Ihr fallen die kleinen Dinge unseres manchmal doch zu großen Alltags auf, weil sie in ihnen eine relevante Schönheit erkennt. BALBINA fühlt sich hinein in teures Porzellan, das in der Spülmaschine zu zerbrechen droht oder beobachtet Glühwürmchen mit Fieber. Sie malt mit ihren Sätzen ein Abbild der Welt, das im Alltag schwer erkennbar scheint und findet Methoden, um jede Facette zu entdecken: Sie »klebt sich Tesa auf die Brillengläser und sieht das Leben wie Monet«. Ihre Realität verschmilzt eng mit der eigenen Empfindsamkeit und Fantasie. Auch weil sie die Definition von Realität grundsätzlich in Frage stellt. Die Visualisierung und Musikalisierung bleibt für die Künstlerin essentielles Sprachrohr für ihre Worte.

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