Interview: DJ T. - The Inner Juke Box

Kategorie: Music

Erfahrt alles über Thomas zweites Album und die House-Rennaissance!

Vielen Dank DJ T., dass Du Dir Zeit für uns genommen hast – und das, zu einem so freudigen Anlass. Am 26. Juni erscheint Dein neues Album „The Inner Jukebox“. Ganze vier Jahre hast Du Dir für den Nachfolger von „Boogie Playground“ Zeit gelassen. Wieso so lange?
Ursprünglich wollte ich das Album schon vor 2 Jahren mit meinem ehemaligen Produzenten Walter Merziger von Booka Shade gemacht haben. Den Plan musste ich begraben, weil irgendwann nicht mehr genug Zeit da war wegen des Erfolges von Booka Shade. Das war der Beginn einer zweijährigen Odyssee, während der ich mit verschiedenen Leuten herumexperimentiert habe, u.a. Matthias Tanzmann und Ian Pooley. Das Resultat dieser Kollaborationen war eine Reihe von Maxis auf Get Physical, Kindisch und Pokerflat, mit denen ich sehr glücklich war, aber für ein ganzes Album reichte es aus verschiedenen Gründen mit keinem. Ich denke, dass es wichtig war durch diese Phase zu gehen, um am Ende im Studio von Thomas Schumacher und der Albumproduktion angelangt bin. Nicht zuletzt habe ich ja durch die unterschiedlichen Arbeitsweisen der Leute sehr viel gelernt, wovon ich profitieren konnte.

Bei „Boogie Playground“ hast Du Dich viel aus der Italo-House-Zeit inspirieren lassen. Auch bei „The Inner Jukebox“ finden sich viele House-Elemente wieder – es groovt wie immer ordentlich. Außerdem arbeitest Du vermehrt mit Perkussion. Wie würdest Du selbst Deinen jetzigen Stil am besten beschreiben?
Mich hat gewundert, dass einige Leute gesagt haben, dass sie mich - auch wenn das Album auf den ersten Blick mit der Ästhetik bricht, die mich in den ersten Get Physical-Jahren bekannt gemacht hat ist - trotzdem in den neuen Tracks sofort wiedererkennen. Das hat wohl etwas mit meiner Art und Weise zu tun, Grooves und Drums zu programmieren. Anscheinend steckt das als gemeinsamer Nenner in allem was ich mache, das hat ja auch etwas Schönes, nicht aus seiner Haut zu können. Mit Perkussion habe ich ja schon früher viel gearbeitet, nur waren es da die ganzen 80er-Jahre Old School-Sounds, von denen habe ich mich auf dem neuen Album fast komplett getrennt. Viele würden das, was ich augenblicklich mache, wahrscheinlich unter Tech House einordnen, für mich ist es atmosphärisch ganz klar House, aber ein House, dass sich sehr viel bei zeitgenössischer Produktionsweise abgeschaut hat.

In den vergangenen zwei Jahren – kann man, denke ich, sagen – hat House wieder vermehrt Einzug in die Clubszene genommen. Der Sound wurde wieder zunehmend rhythmischer, tanzbarer. Vielleicht auch das ein Anlass für Dein neues Werk?
Klar, für mich als klassischen DJ-Produzenten gibt es eine ständige Interaktion zwischen dem was ich spiele und an aktuellen Strömungen im Club stattfindet und dem was ich im Studio machen möchte, ich muss ja immer selber auflegen können was ich produziere. Die House-Rennaissance habe ich schon seit drei Jahren herbeigesehnt. Die Jahre 2006 bis 2008 waren aus meiner Sicht eine dunkle Zeit in der Clubmusik . Kalt, steril, ohne Sex und Soul und extrem konformistisch. Jetzt erleben wir den natürlichen Gegenstoß, der hoffentlich noch zu viel mehr Öffnung führen wird als es gegenwärtig schon der Fall ist. Ich merke wie derzeit Teile meiner Einflüsse aus der schwarzen Musik wieder durchbrechen, die sehr lange im Hintergrund geschlummert haben, insbesondere aus dem R&B und Soul. Würde ich für das Album jetzt ins Studio gehen, würde es nochmal ganz anders klingen.

Du hast „The Inner Jukebox“ zusammen mit Thomas Schumacher produziert. Wie kam es zu dieser Kollaboration?
Wir kamen letztes Jahr im Spätsommer zum ersten Mal im Studio zusammen, weil wir einen gemeinsamen Track für das 100ste Maxi-Release von Get Physical produzieren wollten. Es hat gleich gut gefunkt und wir stellten fest, dass wir, obwohl wir in den Jahren davor aus sehr unterschiedlichen musikalischen Welten gekommen waren, plötzlich eine große Schnittmenge hatten. Thomas hat sich ja auch schon seit längerer Zeit dem House zugewandt und das war dann die Basis auf der wir uns getroffen haben.

Der Opener hebt sich von den anderen Tracks ab: ruhig, eindringlich, beinahe verhalten. Repräsentiert der Track „The Inner Jukebox“ etwas Spezielles?
Für mich ist der Track ja das Gegenteil von verhalten. Er hat zwar keine Bassdrum, aber ich empfinde ihn als sehr emotional und fast dramatisch. Auf eine Art und Weise trägt er die Essenz der Einflüsse um die es bei diesem Album schwerpunktmäßig geht, und deshalb habe ich ihm den Namen des Albums gegeben. Mit "Lit From Within" gibt es aber noch einen anderen Titel auf dem Album, der einen solchen Ansatz hat.

Als Herausgeber des Groove Magazins hast Du jahrelange journalistische Erfahrungen. Was macht Dir letzten Endes mehr Spaß: Schreiben oder Auflegen?
Da möchte ich mich gar nicht entscheiden müssen. Ich kann mir ein Leben ohne eine der beiden Passionen gar nicht vorstellen. Wobei zu unterscheiden ist, dass ich die des DJings jetzt schon seit 23 Jahren ungebremst ausleben kann und immer alles darüber ausdrücken konnte was ich wollte, beim Schreiben war das noch nicht der Fall, da habe ich das Gefühl, dass noch einiges rausmuss und die Formate noch zu finden sind, in denen ich mich am besten ausdrücken kann. Im Musikjournalismus sind da klare Grenzen gesetzt. Das habe ich zwar 15 Jahre lang gemacht, aber im Herausgeben dieser Zeitschrift war ich besser als im Schreiben selbst.

Was denkst Du in welche Richtung sich die elektronische Musik in den nächsten Jahren entwickeln wird?
House wird erstmal sehr stark bleiben die nächsten zwei Jahre. Ich bin gespannt welche Blüten das noch treiben wird und hoffe wie gesagt, dass sich elektronische Tanzmusik noch stärker in alle möglichen Richtungen öffnen wird als es im Moment bereits der Fall ist. Ganz konkret wird wohl diesen Sommer bereits eine Rückkehr von Disco-, Filter-, und Wildpitch-Elementen stattfinden. Und ich glaube, dass im Rahmen der ganzen afroamerikanischen Einflüsse auch Vocals auf breiter Basis zurückkommen, nicht die kleingehackten Samples aus der Afro-, Ethno- und Latino-Kiste, das Thema wird Ende dieses Sommers erstmal durch sein, sondern es wird wieder gesungen werden.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin alles Gute und viel Erfolg!

The Inner Jukebox erscheint auf Get Physical.

Ähnliche Beiträge
25.01.2012
The Residence - club music only vol. 2
18.01.2012
Puder: Großstadt-Dance-Disco-Pop
09.01.2012
Wieder da: die Disco Boys
11.11.2011
Milk & Sugar releasen neues Album: On A Mission!
13.10.2011
Tiefschwarz mixen Watergate 09
13.10.2011
Debüt-Album: tINI mit Tessa (Desolat)
Events (18)

Kommentare 

    Deine Meinung zum Artikel?