Menomena

  • Wo? Gebäude 9, Deutz-Mülheimer Str. 127-129, 51063 Köln
  • Wann?
Neulich war in der SZ, anlässlich einer HiFi Highend Messe in München ein zweiseitiges Special in dem rundliche HiFi Händler, die in den Siebzigern und sicherlich auch noch in den Achzigern dem gemeinen Normalverbraucher ordentliche Stereoanlagen verkauften, zu einem allgemeinen Lamento über den Verfall der Art und Weise des Musikkonsums in Deutschland anhoben. Das gute alte HiFi Geschäft war in den Neunzigern und den Nullern gezwungen die Flucht in die Nische anzutreten. Wer sich nicht auf High End spezialisierte, wurde schnell von Ketten verdrängt, und mit der Machtübernahme des iPods als Klangstandard wurde in den Ohren dieser Marktteilnehmer aus einer leckeren Crema eine dünne lösliche Plörre von Instant Kaffe. Um es mal so zusammen zu fassen. Das soll uns eigentlich alles nicht interessieren (schon gar nicht die damit einhergehende Analogie zum Tonträgermarkt), nur eine immer wiederkehrende Behauptung in diesen Texten ist so herrlich passend, dass ich damit diesen kleinen Informationstext zu MENOMENA aufmachen möchte: „Musik braucht Luft. Ohne Luft und Raum kann Musik sich nicht entfalten und bleibt in ihrer Wirkung, Größe und Schönheit auf halber Strecke stecken“. Das war der Tenor vieler dieser Musikhör-Spezialisten.

Für diese schöne These (Allgemeinplatz?) haben wir nun den so dermaßen passenden Soundtrack, ich konnte einfach nicht umhin, sie hier anzuführen. Also, Introducing: MENOMENA und ihre tolles Album „Friend and Foe“. Ein Trio aus Portland, Oregon, das genau diese Räumlichkeit, diese Luft in ihrer Musik zelebriert und für sich einfordert. MENOMENA (nein, keine Arznei fürs Klimakterium) geben der Musik Vielschichtigkeit, Spontaneität und Originalität zurück, brechen ihre Songstrukturen auf, ohne dabei gewollt oder zwanghaft zu wirken, und bringen im Grunde genommen das lang vergessene Wort Artrock wieder an den Tisch zurück. Dies tun sie mit soviel Verve und Euphorie, dass es eine Wonne ist, ihnen dabei zuzuhören, wie sie ständig aus Weniger etwas Mehr machen. Perfektes Beispiel, der Album Opener „Muscle’n Flo“: getrieben von den markant donnernden Drums, deren Meister Danny Seim ganz genau weiß, wann er sich zurück zu nehmen hat, punktgenau akzentuiert von Brent Knopf an Keyboards, Gitarren, Bass und vielem Anderen, singt Bariton Saxophonist Justin Harris, der hauptsächlich nebenbei auch noch zwei Gitarren, ein weiteres Saxophon, sowie einen obskuren Moog Fußpedal Basssynthesizer bedient, während er obendrüber mit dieser außerordentlichen Stimme die Lieder veredelt. Ein wilder, musikgewordener Kunstgenuss, der über die nächsten knapp 48 Minuten in hohem Tempo Atmosphären kreirt, die ebenso geräuschvoll dramatisch wie zerbrechlich zurückhaltend daher kommen können und die wir in dieser Form lange nicht mehr hören durften. Die MENOMENA Songs strahlen Humor, Selbstvertrauen und Kunstverständnis aus. Eigentlich sollte diese Band dieses Jahr in Kassel auf der Documenta einen eigenen Raum bekommen!

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