
Die gekonnt- facettenreiche Inszenierung des Alltags hat einen neuen
Look verpasst bekommen: Sascha Funke, 26 Jahre alt, Berliner,
veröffentlicht endlich sein Debutalbum Bravo auf BPitch Control.
Dabei ist Bravo vor allem eine Geschichte, die sich durch den Begriff
Kontinuität am besten fassen lässt. Kontinuierlich sein, ohne die
negative Wertung wie Stagnation zu besetzen, bietet für Sascha Funke
Sicherheit die er braucht, um zwischen pragmatischer Weltsicht und
steter, fast inflationärer Konfrontation mit musikalischen Trends die
Buchstaben für die eigene Schrift zu setzen. Die Kultur von Techno, die
Sascha Funke unter dem Stichwort Direktheit zusammenfasst, bildet für
ihn schließlich die Basis eines Lebensmodells das zwar in der Nacht
unter Strobogewitter und Discokugel seinen direkt greifbaren
Höhepunkt auf der Tanzfläche findet; den Tag jedoch durch routinisierte
Arbeit im Studio und im Umfeld der Labelarbeit ein Stockwerk höher bei
BPitch Control kennzeichnet. Wer jetzt an schale Langeweile denkt, wird
bei Sascha Funke eines Besseren belehrt. Da wo Routine zum Handwerk
gehört, kann Platz für Neues entstehen. Musikalisch versucht Sascha
Funke gerne auf zwei Stühlen gleichzeitig Platz zu nehmen dass man
dafür Übung und Ausdauer braucht, versteht sich von selbst. Damit sind
zwei für ihn gegensätzliche Themen gemeint, die sich unter emotionaler
Überladenheit und konkreter Rationalität fast zähnefletschend
gegenüberstehen. Die Überbrückung dieses Widerspruchs, also links
Harmoniesucht und rechts trockene, effektlose Beats, bedarf der Praxis
einer Übersetzung, die sowohl ästhetisch als ebenso inhaltlich dem Kern
von Sascha Funke gerecht werden muss. Das Debüt Bravo final
betrachtet, hebt dann auch den Ursprung mit Slash Kontinuität um so
deutlicher hervor. Das geschichtsträchtige Jahr 1989 ist auch für den
geborenen Ostberliner Sascha Funke ein initiierender Moment. Zwischen
Euro-Dance und dem ersten Kauf der ersten Schallplatte vergeht für den
damals 12 jährigen nur wenig Zeit. Der erste Kontakt mit Techno und
House wird durch die Berliner Sozialisation bedingt sehr schnell
hergestellt. Die passive Teilhabe am Geschehen wird aber schnell durch
aktives Eingreifen ersetzt. Das damit auch eine längerfristige
Perspektive für die eigene Lebensgestaltung erkennbar wird, ist
bestimmend für Sascha Funkes weiteren Werdegang. Heute, 10 Jahre
später, ist einer von vielen Träumen mit Bravo realisiert. Techno
ist das, was man daraus macht, so Sascha Funke. Damit trifft er den
Nagel direkt und zielsicher auf den Kopf. Seit 1995 setzt er dafür
erstmals alle Hebel in Bewegung die ersten Gehversuche im Studio, mit
Mentor und damaligem Mitbewohner Paul Kalkbrenner, der Start der
DJ-Laufbahn 1997. Im Umfeld der damaligen Büroräume von BPitch Control
und in stetem und engen Kontakt zu Ellen Allien wird immer deutlicher,
wo Sascha Funke hinwill. Der Schulterschluß zwischen DJ und Produzent
wird 1999 mit dem ersten eigenen Release auf Kölns Kompakt begründet;
ein halbes Jahr später folgt der erste Release auf BPitch Control. Das
die Liebe zum 1.FC Köln und dem Fernsehturm kein Widerspruch sein muss,
brauch man in diesem Fall eigentlich nicht zu erklären. Das zielsichere
Gespür für die eigene Richtung und ein immer offenes Ohr für die
Umwelt, machen aus Sascha Funke nun das was er ist: ein symphatischer
Mastermind, dem es eben wichtig ist den Weg bis zu Ende zu gehen.
Neben unzähligen Releases auf BPitch Control, Kompakt usw. und
Remixarbeiten wird also jetzt vorläufig Bilanz gezogen. Die Kultur von
Techno erfährt eine neue Ausdifferenzierung - sehr physisch und mit
kurzer Reaktionszeit zeigt Bravo Sascha Funkes Sicht auf die Dinge.
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