Thema: Mann
Ildikó von Kürthy über Ehe, Selbstzweifel und den Traumpartner
Ganz privat im Interview mit Parship.de

Liebe Frau von Kürthy, in Ihren Büchern charakterisieren Sie treffend die Beziehungsprobleme moderner Frauen. Ihre Protagonistinnen finden immer einen Weg aus der Misere. Haben Sie selbst bereits vor ähnlichen Problemen gestanden? Wie haben Sie schlimme Trennungen überwunden?
"Trennungen überwindet man gar nicht, man erträgt sie notgedrungen, das ist meine Erfahrung. Erst hält man sie einfach nur aus. Und zwar ziemlich schlecht. Und irgendwann gehören auch die Abschiede, die man nehmen musste, zum Leben dazu. Um manche Menschen trauere ich bis heute. Und zwar gern, weil ich es mittlerweile als Bereicherung empfinde, jemanden zu vermissen. Meinen Vater zum Beispiel. Andere fehlen mir nicht. Leider. Mit zeitlichem Abstand schrumpft ja manche vermeintlich riesengroße Liebe in sich zusammen. Liebeskummer, das lehrt die Erfahrung, geht in der Regel vorbei. Auch wenn es sich dann jedes Mal wieder so anfühlt, als würde dieser spezielle, in dem man gerade steckt, ganz gewiss für immer dauern."
Ihre Bücher fungieren quasi als Beziehungsratgeber. Jede Frau kann nach der Lektüre Schlüsse daraus ziehen, wie man Krisen meistert und aus seinen Beziehungsfehlern lernt. Dennoch gibt es auch einen ganzen Wust von Ratgebern, die sich der Problematik sachlich annehmen. Kennen Sie diese Bücher? Haben Sie selbst schon welche konsultiert?
"Als ich Mitte Zwanzig war, lag auf meinem Nachttisch ein großer Haufen Beziehungsratgeber – den ich stets sorgfältig wegräumte, wenn Männerbesuch anstand, denn ich wollte einen umkomplizierten Eindruck machen. Der Bücherhaufen liegt da immer noch, aber ich mache mir nicht mehr die Mühe, ihn wegzuräumen. Mein Mann weiß längst, dass er mit mir an eine Dauerbaustelle übelster Sorte geraten ist. Der Bedarf an Rat verringert sich im Leben ja nicht. Erst sucht man den richtigen Mann. Dann will man den richtigen behalten. Dann verlässt einen der angeblich richtige. Dann wird beim nächsten Mann alles anders, Kinder kommen, oder auch nicht, und beides ist ein Problem, das neue Ängste und neuen Bedarf an Expertenwissen mit sich bringt. Im Moment sorge ich mich um Beziehungen zwischen Männern und Frauen, zwischen Vätern, Müttern, Kindern und ich frage mich, wie man sich als Mensch emanzipieren soll und wie man alte Rollenbilder aufgibt, wo es doch noch keine tauglichen neuen gibt? Und auch dazu liegt derzeit das ein oder andere kluge Buch auf meinem Nachttisch."
Welche Beziehungsratgeber würden Sie empfehlen?
"Meinen besten Freund David."
In unserer modernen Welt scheint es immer schwieriger zu werden, den richtigen Partner zu finden. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
"Unnormale Erwartungen treffen auf normale Menschen. Da muss man entweder Kompromisse machen, und dem Typen, der vielleicht die falsche Turnschuhmarke trägt, trotzdem einen zweiten Blick gönnen, oder man bleibt allein. Ein beliebtes Argument der ewigen Singles lautet: „Ich bin einfach so anspruchsvoll.“ Ach ja? Dann wird es Zeit, die Ansprüche zu überprüfen und der Wirklichkeit anzupassen. Alles andere ist dämlich. Besonders Frauen laufen mit gnadenlos überfrachteten Beziehungsvorstellungen durch die Gegend und wundern sich dann, dass sie nicht den richtigen Mann finden. Den einfühlsamen, männlichen Kerl, der gut verdient, dennoch viel Zeit hat, Kinder liebt, den Müll runter bringt, sich blendend mit seiner Mutter versteht, treu ist und im Bett eine Granate. Ja wo versteckt der sich bloß? Nur in Eurer Phantasie! Schon mal gehört, dass man nicht alles haben kann?! Die mangelnde Bereitschaft zum Kompromiss, zum Durchhalten, wenn´s schwierig wird, Desillusionierungen zuzulassen ohne sie für das Ende der Liebe zu halten – nur so findet man einen Partner und behält ihn auch länger als fünf Minuten."
Was würden Sie Langzeit-Singles auf Partnersuche raten, um doch noch den Traumpartner zu finden?
"Es gibt keinen Traumpartner. Man selber ist ja auch keiner. So einfach ist das. Wenn man sich das klar macht und den Mut hat, törichte Hoffnungen aufzugeben, kann man einen Partner finden."
Kommunikation ist Ihr Fachgebiet. Außerdem sind Sie in einer langjährigen Partnerschaft mit Kindern glücklich. Wie schaffen Mann und Frau es, erfolgreich miteinander zu kommunizieren? Wie gelingt das Ihnen und Ihrem Mann?
"Mal besser, mal schlechter und mal gar nicht. Ich bin übrigens auch nicht ständig glücklich, keine Ahnung, wer so einen Quatsch über mich erzählt. Mein Mann und ich haben im Laufe der Jahre nur wenige unserer Probleme in den Griff bekommen. Aber wir haben einige zu den Akten gelegt, ohne eine Lösung gefunden zu haben. Das kann sehr befreiend sein, festzustellen, dass sich manche Dinge niemals ändern werden und man getrost aufhören kann, sich deswegen die Köpfe einzuschlagen. Der von mir sehr geschätzte Therapeut und Autor Arnold Retzer sagt: "Sich einen dauerhaften Partner auszusuchen heißt, sich ein paar dauerhafte Probleme auszusuchen. Und dabei kommt es letztlich nicht darauf an, sich zu vertragen, sondern sich zu ertragen. Das heißt, der Verzicht auf die Lösung des Problems ist die Lösung." Und dem ist nichts hinzuzufügen."
Ändern sich mit dem Älterwerden auch die Beziehungsprobleme? Wenn ja wie? Und entwickelt man eventuell auch andere Lösungsstrategien? Wenn ja, welche?
"Ich bin eigentlich erstaunt, wie wenig sich meine Probleme im Laufe der Jahre verändert haben. Wenn es ernst wird, bin ich immer noch eine total schnell beleidigte, unsachliche und super blöde Ziege, die sich selbst viel zu ernst nimmt. An der Lösung arbeite ich noch."
Was halten Sie vom Online-Dating? Was sollten die Nutzer Ihrer Meinung nach beachten?
"Online-Dating ist eine gute, moderne und sehr effektive Methode, sich auf Partnersuche zu machen. Aber sie ist total unromantisch. Im Internet kann man sich nicht riechen, nicht anfassen, nicht hören, nicht die vielen, kleinen, wichtigen Regungen des Gegenübers beobachten und auf sich wirken lassen. Deswegen finde ich es wichtig, das Online-Date so schnell wie möglich in die Realität zu holen, ehe sich im digitalen Raum eine Beziehung entwickelt, die mit der Wirklichkeit womöglich wenig zu tun hat."
Bitte vervollständigen Sie folgende Sätze:
Männer sind wie
"Frauen. Genauso unperfekt, menschlich, ängstlich, großartig und überfordert von dem, was sie angeblich alles sein und können sollen."
Das Problem an langen Beziehungen ist
"mir nicht bekannt. Ich liebe lange Beziehungen zu Menschen, Städten und Schokoladensorten."
Die heutige Frau findet keinen Kerl, weil
"sie sich nicht traut, ihr doofes Ideal zu entsorgen."
Den perfekten Partner findet man (wo?)
"nirgends."
Liebe am Arbeitsplatz ist
"wunderbar - denn das ist die Liebe ja immer!"
Bildquelle: Facebook/Ildikó von Kürthy








