Thema: Underworld

Im Interview: Underworld

Karl Hyde steht uns zum neuen Album und mehr Rede und Antwort.

Ihr habt auf Eurer Webseite ein Online-Tagebuch, in dem Du jeden Tag Deine Gedanken und Eindrücke festhältst. Dient das der Übung, auch für neue Lyrics?
In der Tat, und ich habe in den letzten zehn Jahren vielleicht zwei, drei Tage verpasst!
 
Ihr seid nicht nur zehn, sondern sogar schon zwanzig Jahre dabei. Wie bleibt Ihr informiert darüber, wie sich die Club- und Musikszene entwickelt?
Durch Freunde, die DJs sind und viel ausgehen, bleiben wir am Ball. Und das auf täglicher Basis. Wir fragen sie: Was hörst Du, was denkst Du über dies und jenes? Der Austausch ist wichtig für uns, auch mit jungen Leuten. Manche Menschen denken, wenn man als Künstler den Kontakt zu jungen Leuten sucht und nicht nur zu denen, die seit Jahren unsere Fans sind, dann wäre das ein Credibility-Verlust. Ich finde das total albern. Man muss doch auch von den frischen Dingen lernen und „in touch“ bleiben!
 
Ziemlich spannend scheinen ja auch die USA für Dance-Acts zu sein, oder? Der Markt öffnet sich immer mehr, David Guetta war sogar schon auf dem Cover des Billboard-Magazins…
…well done, David, thank you very much! Das ist echt aufregend gerade dort. Wir haben letztes Jahr auf im Los Angeles Forum gespielt, auf dem Hard Summer, einem riesigen Dance-Event, das leider noch an dem Abend aufgelöst wurde. Aber wir kehren in diesem Jahr dorthin zurück. Es ist spannend, was in Amerika passiert. Da entstehen gerade große Arenapartys, wie wir sie schon seit Jahrzehnten in Europa haben. Und wir sind Teil dessen!

Ihr spielt jetzt auf dem We Are One-Festival in der O2-Arena, auch einer Riesenlocation. Auf der anderen Seite machst Du kleine Kunstaustellungen z.B. in Japan. Wie geht das alles zusammen?
Es ist fantastisch. Das macht unsere Erfahrung, eine Liveband zu sein, so viel reicher. Man bekommt eine ganz andere Dynamik, kann mit den Leuten auf unterschiedliche Weise kommunizieren. Wenn wir nur noch auf großen Events auftreten dürften, weil wir jetzt eine große Band sind, dann würden wir uns wahrscheinlich in den Ruhestand begeben. Deswegen ist es so wichtig, nicht immer nur als Headliner auf Festivals zu stehen, sondern als Underworld auch in kleinere Clubs zurückzugehen. Ins Cocoon oder im Amnesia auf Ibiza. Das hat eine ganz andere Atmosphäre, und Rick ist einfach super darin, unseren Sound an die jeweilige Größe anzupassen.
 
Und auf den großen Events: Wollt Ihr Leute in Dance Music bringen, die sonst damit noch nichts zu tun hatten?
Es ist eigentlich keine Mission, aber es passiert. Zum Beispiel haben wir für unsere Live-Show, die zuletzt etwas altmodisch klang, zwar viele neue Dance-Nummern produziert, doch weil wir immer schon auch Gitarren auf der Bühne haben, kommen auch die Indie-Kids zu unseren Shows, die sich vielleicht ein Stone Roses-Album kaufen. Aber eben auch unsere Alben!

Karl, vielen Dank!

www.underworldlive.com

 





Underworld - Rez

Mein persönlicher Favorit von Euch ist übrigens Rez aus dem Jahr 1994…
…ein Track, der aus kompletter Verzweiflung entstanden ist!

Wieso das?
Rick hatte damals sein Studio unter dem Dach seines kleinen Häuschens. Eines Tages ging er zu seiner Frau runter und sagte: Ich habe nichts. Ich kann nichts schreiben, ich bin erledigt! Sie hat ihn wieder hochgeschickt mit der Ansage, ja nicht wieder runterzukommen, bis er etwas Fantastisches produziert habe. Er ging hoch und kam mit Rez zurück. Rick hat eine tolle Frau geheiratet.

Das Video dazu ist auch großartig, es besteht ja nur aus Luftblasen und lief trotzdem damals nachmittags auf MTV. Das könnte man sich überhaupt nicht mehr vorstellen heute.
Das Video ist bei Tomato, einer Werbeagentur entstanden. Das Bildmaterial war im Grunde ein reines Abfallprodukt einer Werbe-Produktion, mit solchen Dingen haben sie ganz ohne Stress immer kreative Sachen entwickelt. Sie haben Rick angerufen, ob er was hat – er hatte Rez – und so ist eines unserer besten Videos entstanden.Kaum ein elektronisches Duo ist so lange dabei (insgesamt rund 20 Jahre) und dabei so erfolgreich wie Underworld. Spätestens seit Born Slippy aus dem Drogen-Kultfilm Trainspotting, sind sie einer größeren Zielgruppe ein Begriff. Längst haben sie den rein elektronischen Dunstkreis verlassen und spielen auf großen Festivals wie dem Coachella. Auch, weil Sänger Karl Hyde desöfteren mal zur Gitarre auf der Bühne greift. Mit ihrem neuen Album Barking allerdings zeigen sich Underworld wieder von der konsequent elektronischen Seite. Wir haben mit Karl Hyde in Berlin gesprochen.
 
Karl, das Album hat viel Underworld-Typisches, treibende gerade Beats, Deine Stimme. Aber zugleich probiert Ihr auch Neues aus, zum Beispiel die Breakbeat-Nummer und erste Single, Scribble.
Es ist so: Wenn man meine Stimme auf einen Track packt, dann klingt es sofort nach Underworld. So wie bei Downpipe von Mark Knight und Ramirez, auf dem ich singe. Andersherum hat Rick zusammen mit Brian Eno „Athens“ produziert (ein Richtung Blues und Jazz gehendes Elektronik-Album, d. Red.). Ohne meine Stimme, und es klingt trotzdem nach Underworld. Das war sehr gut für uns zu sehen!
Was Scribble angeht: Den Drum´n´Bass-Track hat unser Publikum immer geliebt. Wir haben ihn für die Live-Show gemacht und getestet, wie er sich anfühlt und das Publikum reagiert. Er wurde dann im Studio Stück für Stück verfeinert, über einen Zeitraum von drei Jahren. Alle Platten sind im Grunde so entstanden, wir machen im Prinzip unser eigenes A&R. Das haben wir auch schon gemacht, als Darren Emerson noch als DJ dabei war: Er hat die Sachen im Club ausprobiert und Rick hat sie angepasst. Genauso sind die neuen Tracks wie Bird, Always Loved A Film oder Diamond Jigsaw entstanden: Die lagen fragmentarisch vor und wurden kontinuierlich weiterbearbeitet.

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