Themen: DJ, David Guetta, Gagen

Lächerlich hohe DJ-Gagen

Diskussion neu entfacht.

Wir hatten bereits im Mai dieses Jahr über die stetig steigenden DJ-Gagen der so genannten "Star-DJs", wie David Guetta, Tiesto und Co. berichtet. Jetzt wird die Diskussion neu entfacht. Auslöser: Die Schließung des Berliner Clubs Horst, dessen Betreiber aktuell auch der wachsenden Kommerzialisierung selbst experimenteller elektronischer Tanzmusik eine Teilschuld für das Ableben der Kreuzberger Feierinstanz geben.

"Vier Jahre spä­ter (nach Eröff­nung des Clubs) fan­den wir uns wie­der - auf­ge­fres­sen von einem wuchern­den und mons­trö­sen Nacht­le­ben­ge­wächs", heißt es seitens des Horst-Gründers Johnny Stie­ler im Gespräch mit der Red Bull Music Academy, wie BLN.fm jetzt berichtet. "Unsere DJ- und Musiker­ent­de­ckun­gen von imper­ti­nen­ten Boo­king­agen­tu­ren geschluckt, die 30-seitige Ver­träge schi­cken, wenn man Künst­ler buchen will, die eine kurze Taxi­fahrt ent­fernt leben." Und weiter: "Die immer wei­ter wach­sende Anzahl von Ver­an­stal­tungs­or­ten und Clubs, die mit dir um die­sel­ben 50 Künst­ler buhlt, hat eine Situa­tion kre­iert, in der man zwölf Monate im Vor­aus Boo­kings machen muss, um ein Date mit guten Freun­den des Hau­ses zu fin­den. Lächer­lich hohe Gagen wer­den gezahlt und Ver­an­stal­ter ver­brin­gen die meiste Zeit damit, Leu­ten, die sie nicht mögen, in den Arsch zu krie­chen, kaf­ka­eske For­mu­lare aus­zu­fül­len oder ande­ren Clubs die Künst­ler abzu­luch­sen."

 
Ohne gute Bookings geht kaum noch was
 
Die EDM-DJs, wie Guetta und wie sie alle heißen, erhalten in der Tat für ihre Auftritte Gagen von bis zu 250.000 Euro. Und auch die deutschen Stars der Szene verdienen zunehmend mehr. Oliver Koletzki beispielsweise erhält einen vierstelligen Betrag im unteren Bereich. Klar, dass sich so manch ein Veranstalter solche Beiträge, vergleichbar eigentlich ja noch recht geringe Beträge, nicht leisten kann. Gleiches gilt eben für kleine Clubs. Wer sich einen Szene-Star leisten möchte, muss tiefer in die Tasche greifen. Hinzu kommen die weiter laufenden Kosten, wie GEMA-Gebühren, Wasser, Strom, Security, Kassen- und Theken-Personal und und und. Das summiert sich. Die logische Konsequenz: Die Eintrittspreise müssen steigen. Und weil sich das kaum ein Gast mehr leisten kann, bleiben viele Clubs leer. Hat der Club allerdings kein gutes Booking, passiert Selbiges. Ein Teufelskreis.
 
Besonders schade ist das natürlich dann, wenn - wie beim Club Horst geschehen -, die Künstler vom Club als Residents aufgebaut werden und man sie dann, wenn sie erst erfolgreich sind, nicht mehr an die Strippe bekommt. Weil eben das oben erwähnte Raster greift: Es geht alles nur noch über die Manager-Treppe.
 
Newcomern eine Plattform geben
 
PollerWiesen-Betreiber Patrick Peiki kommentierte diese Problematik wie folgt: "Theorie und Praxis sind an dieser Stelle zwei verschiedene Dinge! Bei einem Booking mit Newcomern muss die Produktion auch angepasst werden, will heißen, weniger bekannte Acts, weniger Gäste. Preislich stimmen wir zu mehr als 20 Euro zahlen die Deutschen ungern. Deswegen halten wir den Eintrittspreis als heiligen Gral so lange es geht immer so niedrig wie möglich! Wir hören gerade 423 Sets von Newcomern durch, die sich bei uns auf dem PollerWiesen Festival 2.0 auf der Hidden Stage "beworben" haben ;-)"
 
Generell ist es doch eigentlich, wie mit allem im Leben: Altes geht, Neues kommt. Wieso also den alten Hasen hinterherheulen, wenn doch so viele neue, erfrischende Talente entdeckt werden wollen? Das Problem: Die breite Masse will ihnen kein Gehör schenken. Warum? Weil sie keiner kennt. Dabei gilt hier doch eigentlich nur dem Club oder Veranstalter Vertrauen gegenüber zu bringen. Vertrauen, dass der Act, der da am Samstag spielen wird, ganz klar den musikalischen Standard halten, vielleicht sogar noch übertreffen kann. Eigentlich doch gar nicht so schwer.

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