Thema: gewesen

Loveparade 2010: "Völliges Versagen der Verantwortlichen"

Neue Erkenntnisse aus Ermittlungsakten.

Am 24. Juni jährt sich die Tragödie der Duisburger Loveparade zum dritten Mal. 21 Menschen kamen bei einer Massenpanik ums Leben. Nachdem den Organisatoren und Veranstaltern zuletzt schwere Versäumnisse vorgeworfen worden waren (wir berichteten), konnte FOCUS nun Ermittlungsakten einsehen, die dies belegen sollen.

Die Ermittlungen der Duisburger Staatsanwaltschaft sind bald abgeschlossen. Jetzt konnten sich FOCUS-Reporter erstmals einen Überblick über die Ergebnisse verschaffen. Die Nachforschungen der Ermittler ergaben offenbar „ein völliges Versagen der Verantwortlichen“.

Fahrlässiges Sicherheitskonzept
Ein Gutachten von Keith Still, Professor für Massendynamik und Massenmanagement, soll diese Nachforschungen bestätigen: „Die Veranstaltung hätte nie genehmigt werden dürfen“, sei das Fazit des Gutachtens, welches besonders das Sicherheitskonzept von Organisator Lopavent kritisiere.
Ein anderes Gutachten der Firma Invita Consult rücke außerdem das Krisenmanagement während des Events in den Mittelpunkt: Im Bereich des Showprogramms und des VIP-Bereiches seien 640 Sicherheitskräfte eingestellt gewesen, während auf dem 110 000 Quadratmeter großen Geländer nur rund 234 Ordner eingeteilt gewesen seien. In der späteren „Todeszone“ sollen nur 16 Ordner anwesend gewesen sein, die die Sicherheit der Besuchermassen garantieren sollten. Außerdem sollen zwei defekte Kameras an den Tunnelenden die Kalkulation der Besucherströme erschwert haben, sodass eine Kontrolle der Massen ein unmögliches Unterfangen gewesen sein muss.

Finanzielle Einsparungen auf Kosten der Sicherheit
Veranstalter und Mc-Fit-Inhaber Rainer Schaller wollte zudem rund eine Millionen Euro bei dem Event sparen. Es soll versucht worden sein, die teuren Sicherheitsauflagen zu umgehen. So soll auch ein fünfter Notausgang aus finanziellen Gründen gestrichen worden sein.
Amtsleiterin für Baurecht und Bauordnung Anja Geer soll daher schon zu Anfang bei Meetings vor dem Risiko einer Massenpanik gewarnt haben, jedoch habe Schallers Anwalt solche Zweifler im Duisburger Rathaus unter Druck gesetzt und Hinweise zur Umgehung von Gesetzen gegeben haben, was nun durch interne Mails bewiesen werden soll. Er habe die Party-Macher beispielsweise angewiesen 30.000 Quadratmeter Fläche zu dem feststehenden Areal hinzu zu „mogeln“, damit die erwarteten 400.000 Besucher offiziell kein Problem mehr darstellen. Zudem soll der Anwalt Eingangsschleusen und Taschenkontrollen an den Eingängen abgelehnt haben, um die Verantwortung von Lopavent zu minimieren.

Wer wird sich vor Gericht verantworten müssen?
Anwalt Julius Reiter, der rund 100 Opfer und Angehörige vertritt, ist laut FOCUS der Meinung, die neuesten Erkenntnisse reichen dafür aus, „dass bald Anklage erhoben wird“. Aufgrund der schwierigen Beweislage bleibe es jedoch fraglich, ob sich alle Beschuldigten vor Gericht verantworten müssen. Die Hauptverantwortlichen, Ex-Oberbürgermeister Sauerland und Veranstalter Rainer Schaller, weisen nach wie vor alle Vorwürfe von sich und würden nach jetzigem Ermittlungsstand straffrei ausgehen, da sie an der eigentlichen Planung nicht beteiligt gewesen sein wollen.

Die Höhe der Schmerzensgelder ist noch immer ungeklärt. Nun hoffen die Betroffenen auf eine Anklage nach dem Abschluss der Ermittlungen.


Foto: Flickr.com / Andreas Kollmorgen

Teile diesen Beitrag:
FacebookTwitterWhatsAppMessenger
Kommentare
Das könnte dich auch interessieren
"Fuck for Forest": Pornos für den Regenwald
Bald auch im Kino.
Genialer Geheimtipp: So entfernst du Mitesser ohne zu quetschen
Und das in nur 3 Minuten!
Netflix-Trailer: Ist das der schlechteste EDM-Film aller Zeiten?
Der Trailer sorgt schonmal für viele Hater-Kommentare.
Ex-Cam-Girl packt über ihre Zeit als Paula Rowe aus
„Paula hat ja doch genug gemacht und auch Scheiß erlebt ...“
Heftig: So gefährlich ist der Trend Hautritzen
Diese Krankheiten können Narbentattoos auslösen.