Mit dem Billigflieger ins Berghain
Der unaufhaltsame Verfall der Berliner Clubszene.

Die Clubbetreiber in Berlin haben zur Zeit nicht wirklich viel zu lachen. Der jährliche Ansturm der Techno-Touristen nagt am Underground-Zahn der Szene. Und plötzlich müssen sich Betreiber wie Watergate-Besitzer Steffen „Stoffel“ Hack damit herumplagen, dass sie nicht mehr in den Urlaub fahren können und stattdessen Nacht für Nacht über 400 Gäste wieder nach Hause schicken müssen. Wegen Überfüllung.
Ist das wirklich die Antwort auf das Alkoholverbot auf dem Ballermann, wir berichteten darüber, so wie es in verschiedenen sozialen Netzwerken betitelt wird? Oder haben die Touristen einfach begriffen, dass es mit dem Billigflieger geradeaus ins Berghain gehen kann? Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit kommen die Einen wegen der guten Bookings in die Hauptstadt. Die anderen sind widerum reine Techno-Touristen.
Die Clubbetreiber haben sich nun der ehrenvollen Herausforderung zu stellen die Billig-Touristen zu bedienen und dabei gleichzeitig ihr Clubgesicht zu wahren. Als Meister der Anpassung bleibt den Berlinern nun entweder die Möglichkeit auf die Montags-Partys auszuweichen oder an den politischen Diskussionen gegen die Gentrifizierung ihrer Stadt teil zu nehmen. Darin stellen sie sich vor allem gegen den weiteren Bau von Hotels und die Billigflieger-Moral an den Flughäfen.
Was bleibt, sind die Clubs, die an der Garderobe ihren Charme von einer einst verruchten Dunkelkammer an das Interieur einer Großraumdiskothek abgegeben haben. Immer noch als zentrale Metropole des Technos wahrgenommen, aber längst nicht mehr mit dem Coolness-Faktor von einst, muss sich Berlin zwischen Underground und Mainstream beweisen. Und einer bleibt bekanntlich immer auf der Strecke.








