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Review: Lady Gaga Konzert in Oberhausen!

Lady Gaga rockte Oberhausen - und wir waren dabei!

Auf den ersten Blick wirkte das Bühnenprogramm also nach rein inszenierter Imagepflege, wozu auch die eingeschobenen Ekelelemente, so die rote Paste, die natürlich Blut darstellen sollte, beitrugen. Aber wer kann wirklich sagen, dass er diese kleine Lady kennt, um so vorschnell über sie urteilen zu können? Vielleicht ist sie ja genau die Person, die sie vorgibt zu sein und will das nur allzu deutlich zeigen und ihre Unsicherheit oder Gleichgültigkeit ist eine falsche Unterstellung? Denn wenn man sich all ihre Auftritte und Interviews anschaut, muss man sagen, ist sie selten anders. Und vielleicht ist ihr ja wirklich egal, was die Leute so reden, so sagte sie nämlich erst kürzlich in einem Liveinterview: "I don't give a F*** what anybody thinks!"

Eines muss man trotz allem sagen: Respekt vor dieser Lady und ihrem Body. Durchtrainiert von Kopf bis Fuß legt diese Dame perfekte Tanznummern aufs Parkett, alles immer synchron mit ihrer Tanzcrew, zu denen sie auch noch toll singt. Mädels, die künftig über High-Heels schimpfen, kann ich nur sagen: Schaut Euch diese Gaga an und hört auf zu meckern! Wie die da auf meterhohen Absätzen tanzt, rumhüpft und es dazu noch irgendwie schafft mit Hilfe ihrer Heels auf dem Klavier einigermaßen vernünftige Töne rauszubringen, Hut ab!

Text: Melanie Oosterhof

An sich eine tolle Show, die von vorne bis hinten perfekt durchgeplant war, dadurch aber leider auch Spontanität und Improvisation vermissen ließ. Kleine Pausen nach hitzigen Nummern genoss Lady Gaga sichtlich und hörbar (so hörte man laut ihren schnellen Atem nach langen Tanzeinlagen durch das Mikro), zog diese leider aber auch, neben gefühlten zigtausendmal umziehen, etwas zu sehr in die Länge. So gab es immer wieder Minuten, in denen nicht viel passierte, außer einer eingefrorenen Gaga samt Crew auf der Bühne stehen zu sehen.

Wenn sie dann endlich anfing, den Kontakt zum Publikum zu suchen, beschränkte sich das auf die ständige Wiederholung ihrer neuen Lieblingswörter "kleine Monsters" und "scheise", sowie ihre sehr auswendiggelernt klingende Rede darüber, dass sie ja einst ein Freak und Einzelgänger gewesen sei und sie auch heute keinen Wert auf Ruhm und Geld legen würde. Dazu kam dann noch das übliche, "I love you so much!" , und dass jeder so sein kann wie er möchte, denn schließlich lebe sie es ja vor.  Trotz selbstbewusstem Inhalt kam das alles eher unsicher rüber, zu einstudiert und daher nicht mehr authentisch.

Als ich gefragt wurde, ob ich Lust hätte spontan mit zum Lady Gaga Konzert zu kommen, musste ich nicht lange überlegen. Ich war kein Fan dieser übertriebenen Selbstdarstellung, aber ihre Lieder sind ja nicht umsonst immer Hits und ich muss zugeben, ich kann sie auch fast alle mitsingen. Also habe ich natürlich sofort zugesagt, denn auch wenn ich nicht so der Konzertgänger bin, musste ich schließlich selbst mal sehen, was am Hype um diese kleine Lady so dran ist.

Vor Ort in der Arena Oberhausen angekommen heizte eine unbekannte Vorband dem Publikum ordentlich ein und machte dabei auch nicht wenig Werbung für Gaga. Mit 9000 Besuchern war die Veranstaltung zwar nicht ganz ausverkauft, aber gut besucht. Überraschend fand ich allerdings das total gemischte Publikum. Neben eifrigen Gaga-Nacheiferern im Teeniealter, die mir schon vor der Arena begegneten, hatte ich hier eigentlich hauptsächlich eine üblich kreischende Meute erwartet. Aber ich wurde eines Besseren belehrt und befand mich plötzlich auf den Sitzrängen zwischen einigen Pärchen deutlich älteren Semesters, die gespannt auf die Show warteten.

Nach etwa einer Stunde Verspätung - die Crème de la Crème lässt ja bekanntlich immer auf sich warten - ging es dann auch endlich los. Gaga betrat in gewohnt schrillem Outfit die Bühne, begann das erste Lied im Stillstand. Nach und nach taute sie dann aber, dank ihrer androgynen Tanzcrew, auf und die Zuschauer begannen bei ersten bekannten Hits auch schon mal ein bisschen mitzuwippen. Mitgerissen hat es außer ein paar eingefleischten Fans im Stehplatzrang wohl nur wenige. Bei noch nicht allzu vielen bekannten Hits aber auch kein Wunder. Als es dann endlich zum Welthit Pokerface kam, ließen sich schließlich alle mitreißen: Sie standen auf und trällerten den allseits bekannten Text mit!

Nicht nur für meinen Geschmack (meine Sitznachbarn haben sich auch des Öfteren die Ohren zuhalten müssen) war die Lautstärke ein wenig übertrieben. Auch war die Musik zu elektrolastig, sodass man die doch eigentlich so stimmgewaltige kleine Lady auf der Bühne erst bei zwei Balladen zur Konzertmitte richtig zu hören bekam, die sich selbst mit Händen und sogar mit ihren Killer-Heels auf einem brennenden Piano begleitete.

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