Themen: Disco Boys, Kolumne
The Disco Boys über David Guetta & Co.
"Ich schüttle mit dem Kopf..."

The Disco Boys sind schon seit dem Jahr 1999 im Musik-Geschäft. Bis heute sind die beiden putzigen Hamburger erfolgreich mit dem, was sie machen: ihrem Spagat zwischen aktueller House-Musik und Disco-Sounds aus den 70ern. Voll Disco eben. Da flatterte gestern eine Einladung in unser Haus, verfasst vom "Disco Boy" Gordon, die Bezug nimmt auf die heutige Knöpfchen-Drücker-Gesellschaft. So schön geschrieben, dass wir euch die Worte nicht vorenthalten möchten.
The Disco Boys, Gordon Hollenga, über die Entwicklung der Club-Szene:
Der neue Trend ist, dass viele DJ-Kollegen zwei unterschiedliche Arten von Auftritten anbieten. Man kann entweder das "DJ-Set" buchen - oder den "Live-Auftritt". Letzteres bedeutet, dass der DJ nun Musiker sein möchte und ausschließlich seine eigene Musik darbietet. Ob das per Playback, auf Knopfdruck oder mithilfe von Software geschieht, ist egal: "Live" ist meistens nichts davon - wenn man einmal davon absieht, dass der Mensch auf der Bühne am Leben ist.
Ich habe von Kleinauf gelernt, dass man nur dann von einem Live-Konzert spricht, wenn eine Band auf einer Bühne steht, ihre Lieder singt und am Ende optional eine Gitarre zu Bruch geht. Das Besondere war einmal, dass sich kein Auftritt gleicht. "Live" bedeutete etwas Echtes zu erleben. Fehler durften passieren. Man war sich gewiss: Was hier heute geschieht, ist einmalig.Aber längst ist nicht mehr überall "Live" drin, wo "Live" draufsteht. Mal ganz abgesehen von der musikalischen Substanz vieler "DJ-Musik" (der ich dann doch oftmals die Tragfähigkeit über ein 90-minütiges Konzert absprechen möchte), ist es mitunter verdammt öde, jemandem "live on stage" dabei zu zu sehen, wie er auf seinen Laptop starrt. Bedient er wenigstens gerade "Ableton Live"? Oder ist er nur auf "Facebook"? Man weiß es nicht. Ich weiß aber, dass ich lieber "nur" DJ bleiben möchte. Außer Plattenspieler beherrsche ich kein Instrument, und singen kann ich auch nicht. Bei den meisten Kollegen, die diesen Schritt gegangen sind, geht es mittlerweile darum, wer die imposantere Lightshow auffährt oder den größeren Nightliner fährt. Ich schüttle mit dem Kopf und wundere mich über Eintrittspreise von 75 EUR für einen DJ, dessen einzige Leistung es ist, die Start-Taste zu drücken und ein paar Sätze ins Mikrofon zu sprechen - und trotzdem ist die O2-World ausverkauft.Aber zurück zum Club-DJ: Hier gehört er hin, hier darf er sein. Schallplatten sind leider binnen weniger Jahre fast komplett aus dem Nachtleben verschwunden - trotzdem gibt es so viele "DJs" wie noch nie. Eigentlich ist das kein Wunder: Die heutige Technik ermöglicht es ungelogen jedem, wie ein Profi aufzulegen. Die Übergänge erledigt der Computer auf Knopfdruck. Er schlägt die Stücke vor, die als nächtses am besten passen würden. Ja, es gibt sogar Software, die DJ-Mixe selbstständig erstellt - und das gar nicht mal schlecht. Diese Entwicklung ist eine Schande für unsere Zunft. Wir denken aktuell darüber nach, wieder auf Vinyl umzusteigen. Ein solcher Rückschritt scheint die einzige Möglichkeit zu sein, die Spreu vom Weizen zu trennen. Die Frage muss dann lauten: Kannst Du wirklich auflegen? Oder was machst Du am DJ-Pult?Bevor die Maschinen endgültig die Herrschaft über die Tanzfläche übernehmen, lade ich Dich hiermit herzlich ein, zwei der vielleicht letzten DJs zu besuchen, die kein vorbereitetes DJ-Set runter dudeln; die Nacht für Nacht und Set für Set ihre Musik frisch zusammen mischen; die länger zusammen auflegen als es MP3-Player gibt; die schon 1999 auf der handgeschriebenen Tafel des Stammheims (R.I.P.!) als "The Disco Boys live on stage" angekündigt wurden.
Dem haben wir nichts mehr hinzuzufügen.
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