Themen: DJ, The Disco Boys, Dancemusic

The Disco Boys über Genre-Armut

"Gegen musikalische Monokultur."

Mit seiner letzten Kolumne über die von David Guetta angeführte Knöpfchendrücker-Gesellschaft spaltete Disco-Boy Gordon die Gemüter. Allerdings dürften 2.000 Gefällt-mir-Angaben ganz klar auf seiner Seite stehen und auch nicht lügen, ebenso wenig übrigens die Tanzfläche. Das meint zumindest Gordon in seiner aktuellen Kolumne.

Es gebe immerhin nur noch drei Musikrichtungen auf den Tanzflächen der Republik: Deep House, Festival Geballer und Black. Und wie die sich so darstellen, dass erklärt euch Gordon jetzt mal.

 
Deep House: Ich schätze die Lage so ein, dass bald jeder halbwegs anständige Hit aus den 90ern als tiefergelegte Version mit runtergepitchter Bären-Stimme verwurstet wurde und dass den Produzenten dann nichts Neues mehr einfallen wird. Wird sich also von selbst erledigen, vermutlich bevor alle auf der Tanzfläche eingeschlafen sind.
Festival Geballer: Härter kann es eigentlich auch nicht mehr werden. Die Frauen flüchten bei diesem Sound vor 3 Uhr aus dem Club und spätestens um 3 Uhr 30 kommt sich der DJ vor, als würde er auf einer Gay-Party auflegen: famose Stimmung, Hände in der Luft - aber keine Ladys mehr am Start. Wo geht's hier zum Darkroom?
Black: Wenn sich früher bei mir jemand "Black" gewünscht hat, war die Standardantwort: "Ich spiele nur Black!" - und habe auf die schwarze Schallplatte gedeutet, die da gerade lief. Heute ist es so, dass die oben vergraulten Frauen sich für diesen Sound hübsch machen und dort die Hüften kreisen lassen. Dabei ist "Black" ein bisschen wie Angela Merkel: Es gibt kein neues Programm. Zur Peaktime hört man überall dasselbe: "Up In Here", "Crazy In Love", "Hip Hop Hooray"!
 
Es ist in der Disco also ein bisschen wie im Deutschen Bundestag, wo nach der Wahl (heute ist erst der 20. September) vermutlich nur noch drei Parteien sitzen werden. Ich persönlich fände es besser, wenn auch die Kleinen eine Chance hätten. Weg mit der 5-Prozent-Hürde! Ein DJ sollte auch Rock, Jungle, Ska, Balkan, Tech House, Breakbeat, Dubstep, Rave, Complextro und Vocal House spielen dürfen. Ich bin gegen musikalische Monokultur und für mehr Toleranz beim Tanz. Es wird getanzt, was auf die Teller kommt! Und darum suche ich nun weiter nach Ungehörtem, um es Euch bei einer der nächsten Partys zu präsentieren. Aber: Welche der 116 Versionen von Daft Punks "Get Lucky", die auf meiner Festplatte schlummern, ist denn nun die richtige?
Mein Tipp an die vielen angehenden Produzenten da draußen: Vor dem Upload auf Soundcloud lieber mal den einen oder anderen Kollegen fragen, der sich im Club die Nächte um die Ohren schlägt, ob er deinen Mash-Up-Bootleg-Remix nicht einmal testen könnte. Denn: Die Tanzfläche lügt nicht.

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