Themen: Tocadisco, Kolumne

Tocadisco: Kotzattacken

DJs sind gesichtslos und aalglatt.

Nachdem uns Gordon von den Disco Boys mit seiner regelmäßigen Kolumne für virtualnights immer wieder zum Schmunzeln bringt, begrüßen wir heute mit Tocadisco einen neuen Gastautor, der uns zum Nachdenken anregt. Warum Toca, der im wahren Leben Roman Böer heißt, Kotzattacken bei der derzeitigen Entwicklung der DJs und der EDM-Szene bekommt, hat er uns erzählt:

Eigentlich bin ich ja eher von der ruhigen und entspannten Sorte. Aber virtualnights lässt nicht locker und bittet mich ständig meinen Senf dazu zu geben. Ich denke aber eher: Leben und leben lassen. Allerdings häuften sich in letzter Zeit bei mir die Kotzattacken.

Möchte nur ganz kurz anreißen, das man als DJ mittlerweile zum Millionär werden darf, obwohl man die selbe Musik spielt, wie der arme Resident an der Bar um die Ecke, der nach Feierabend noch die Kühlschränke mit aufräumen darf. Wenn ich hinter der Bühne der größten „elektronischen Musik“ Festivals stehe und dem Einheitsbrei von immer den selben Hits über mich ergehen lassen muss, weiß ich nicht wer auflegt, da jeder die selben Tracks spielt. Alles das Gleiche. Keine Überraschungen, keine Kreativität!

Eine weitere schlimme Entwicklung, z.B. in Belgien und Holland, ist, nicht zwei, nicht drei, sondern vier der größten Hits in einem selbstgebastelten Mash-Up zu spielen, bei dem die Hälfte der Tracks nicht mal die gleichen Harmonien haben. Als DJ, der nach so einem Vollidioten spielen muss, kann man sich nur am Kopf kratzen, da die Hits, die man sich so schön als Sahnehäubchen - als Dankeschön fürs Weitertanzen - zurecht gelegt hat, alle schon gespielt worden sind. Bravo-Mega-Mix lässt grüßen.

Der DJ-Zirkus ist mittlerweile zur Kriegszone geworden, in der Clubbetreiber, Booker und Agenten nur noch mit extrem harten Bandagen arbeiten. Ich frage mich immer, wie gewisse Artistbooker darauf bestehen können, das bei einer Party mit drei Headlinern einer oben stehen muss. Ein Nebeneinander wird nicht mehr akzeptiert. Obwohl sich jeder fragt, wieso der oben steht, obwohl er doch erst anderthalb Hits auf Beatport hatte. Und sich damit noch lächerlich macht, nicht nur vor den DJ-Kollegen, sondern auch vor den Gästen. Und nach drei Jahren erinnert sich keiner mehr an ihn.

Das ist eh so ein Ding. Die jungen DJs sind alle so gesichtslos. Da gibt es keine verwirrten Freaks mehr, keine verückten Haarschnitte oder ausgefallenen Klamotten. Alle aalglatt wie Mami‘s Schwiegersöhnchen. Wahrscheinlich ist bei deren Kaffeekränzchen auch nicht mehr die Frage „kann man denn von sowas leben“, sondern „mein Sohn ist DJ, der macht eine Menge Kohle“.

Ja, schön und gut. Geld verdienen wollen wir alle. Aber Musik sollte doch schon von Künstlern gemacht werden und nicht von Typen, die eigentlich BWL Studenten sein wollten, sich aber doch umentschieden haben, da man als DJ schneller viel Kohle machen kann.

Von hier aus lässt sich schön zu Oliver Pochers „This is EDM“ überleiten. Moment, ich muss nochmal kurz kotzen. Ah, besser: Was‘n Dreck. Das Lustige ist, dass einige meiner Kollegen aus dem Ausland, die den Track als Promo bekommen haben, nur darüber lachen, dass es eine so offensichtliche Kopie eines anderen bekannten Tracks ist: „The guy is a comedian, right?", wird da gefragt. Ist Pocher ein Comedian? Echt? Was ist denn die Definition eines „Comedian“? Ich lache ja gerne und auch über alberne Sachen oder halblustige Dinge, aber Pocher hat mich irgendwie noch nie zu einem Lachanfall animiert.

Vielleicht ist der Track auch ein Scherz und wir regen uns alle umsonst auf. Am Ende sagt der gute Oli noch „April, April“. Na ja, was soll's. Aber ehrlich gesagt, glaube ich, der hat keine Kohle mehr. Ah, das ist es wieder, das liebe Geld. Dreht sich doch nur alles darum.

Aber weiter im Text. Viel schlimmer kotzen musste ich, nachdem ich „Last Vegas“ gesehen habe. Mr. Robert DeNiro, ja genau der aus „Mr. Goodfellas“, „The Raging Bull“, „Are you looking at me?“ - Taxi Driver -  lässt sich von „Red Foo“, ehemals LMFAO, im Rahmen einer Las Vegas Party antanzen. Red „wiggled" Mr. DeNiro, ja ihr habt richtig gelesen, seinen kleinen Penis mit noch kleineren Eiern mitten in DeNiros Gesicht. Waaaas? ISSSSST? Daaaaas? DENNNN? Biiiitttteeee??? Ich konnte es nicht fassen. Vor allem hat diese Szene dem Film überhaupt nichts gebracht. Storytechnisch meine ich. Nichts, null, nada. Was soll das bitte?

Wenn ihr jetzt denkt „das ist doch lustig", sorry, ist es nicht. Das ist Trash. Macht man nicht. Ist uncool und dem Foo gehören die Eier abgeschnitten. Sorry. So sehe ich das. Und warum macht DeNiro das?

Ich geh jetzt erstmal weiter kotzen.

In diesem Sinne.

T.

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