„Was tun, wenn mein Kind ein Raver ist?“

Das dachte Eltern und Medien 1994 über Techno und Co.

„Was tun, wenn mein Kind ein Raver ist?“: Das dachte Eltern und Medien 1994 über Techno und Co.
a, es gab tatsächlich eine Zeit, in der sich Eltern ernsthaft Sorgen um die politische Gesinnung und Gewaltbereitschaft des Nachwuchs machten, wenn diese sich das Gehör mit elektronischer Musik zerschossen. Im Jahr 1994, als die Technowelle sich über die deutsche Jugend ergoss, erklärte die Wochenzeitschrift Bunte den panischen Erziehungsberichtigten, was dieses „Tekkno“ denn eigentlich ist. Auch nach 21 Jahren hat der Artikel seinen Unterhaltungswert nicht verloren.

Das ist Tom. Er ist Raver und pennt, bis das Mittagessen auf dem Tisch steht, jobbt tagsüber in einem „Raver“-Laden und macht ab 18 Uhr als Discjockey bis zum nächsten Morgen Party – natürlich jede Nacht. Also nicht gerade das, was sich Eltern unter einem geregelten Alltag vorstellen. Schlaflose Nächte müssen Eltern aber trotzdem nicht haben, denn die Latzhosen beziehungsweise Minikleid tragenden Raver sind die Hippies der 90er, die keinen Bock auf Gewalt haben. Nur die Glatzen und Springerstiefel ließen laut Bunte damals die Alarmglocken der älteren Generation klingeln. 

Besorgniserregend ist da viel mehr der Drogenkonsum. Denn Ecstasy soll es damals ja auch frei verkäuflich auf Festivals gegeben haben. Immerhin war die Bunte so fair und betonte im Artikel, dass nicht alle Techno-Fans Drogen verstrahlt durch die Gegend liefen.


Foto: Bunte/privat

Damals wie heute verstanden die Eltern nur Bahnhof, wenn es um Jugendsprache ging. Vor „YOLO“ und „Läuft bei dir“ hinterließen Begriffe wie „Chill-Out“ oder „After-Party“ bei Mama und Papa Fragezeichen im Gesicht. Demnach können wir also damit das „Swag“ und Co. in etwa 20 Jahren zum deutschen Grundwortschatz erwarten.

Bildungsmäßig herrschte bei den Ravern der 90er eher Nullbockhaltung. Raver Tom will zum Beispiel kein Abitur machen, Bücher findet er langweilig und auch Politik ist nicht so wirklich sein Ding. Immerhin sind Mutter und Vater zufrieden, wenn er ab und zu nach Hause kommt. Eltern von Ravern rät die Zeitschrift übrigens, sich für den Lebensstil ihrer Kinder zu interessieren, um so nicht den Kontakt zur nachtaktiven und vermutlich halbtauben Jugend zu verlieren.

Wir würden gerne wissen, was aus Tom geworden ist und ob er immer noch ravt oder vielleicht jetzt doch bei der Bank arbeitet. Wer Tom kennt: Bitte setze dich dringend in Verbindung mit uns!

Foto: fivedollarones via Flickr & Bunte

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