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Wieso redet keiner mehr über Ballerspiele?

Deshalb ist es in letzter Zeit so ruhig um "Killerspiele" geworden.

Sechs Jahre ist der Amoklauf in Winnenden her. Damals tötete der 17-jährige Tim 15 Menschen, verletzte 11 weitere teils schwer und beging zum Schluss Selbstmord. Im Anschluss an diese tragischen Ereignisse wurde vor allem von konservativen Lehrern und Politikern ein Verbot der sogenannten "Killerspiele" gefordert. Gemeint waren Paint Ball, Laserdrome, und Ballerspiele auf Computern und Konsolen der Beginn der Killerspiel-Debatte. Doch es ist still um die Thematik geworden.

Ist die Debatte etwa tot, wie hier, ein paar Monate nach dem Amoklauf von Anders Breivik in Norwegen 2009 vermutet wurde. Oder ruht sie einfach, bis erneut etwas passiert? Vielleicht wird sie ja auch dann aktuell, wenn die Parteien sich für den nächsten Wahlkampf rüsten. Denn zumindest in der politischen Debatte und in vielen Medien wurde damals eine direkte kausale Verbindung zwischen den Tims Schule nachempfundenen Levels in einem Ego-Shooter auf seinem Computer und der Tat hergestellt. Gewissermaßen, um zu sagen "Hey, er ist ein guter Junge, unser Schulsystem funktioniert super, also müssen es diese Spiele gewesen sein, die ihn dazu brachten.". Die Tatsache, dass er ein instabiler Junge mit Anschlussproblemen war, der in einem Haushalt voller Waffen aufwuchs, weil sein Vater im Schützenverein war, warfen zu viele, zu tiefgreifende und unbequeme Fragen auf. Diese hätten in diesem Fall vor allem klassische, konservative Weltbilder ins Wanken gebracht – die Familie, das Schulsystem, Brauchtum, etc.



Dass sich später die Wissenschaft, vor allem die soziologische und psychologische Forschung, sowohl vom Begriff des „Killerspiels“ als auch von den Verbotsforderungen distanzierte, wurde damals entsprechend konsequent ignoriert – es passte einfach nicht ins Programm. Es bleibt festzuhalten: Menschen sind letztendlich weder so dumm noch so leicht zu beeinflussen, dass sie nicht Spiel und Realität voneinander unterscheiden könnten. Und nur, weil jemand Shooter zockt, die ja heute schon als Browsergames massenweise und kostenlos verfügbar sind, bedeutet das noch lange nicht, dass derjenige bald zu realen Waffen greift und Amok läuft. Wie so oft sind die Ursachen dafür im sozialen Umfeld zu suchen. Doch derart unbequemen Fragen wird ja leider lieber aus dem Weg gegangen, gerade wenn ein Sündenbock schnell gefunden ist.



Foto: GooGag/Shutterstock.com

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